Donnerstag, 17. Dezember 2020

Für kleine Leseratten und große Geschichtenerzähler "Madita" von Astrid Lindgren

Madita wohnt mit ihren Eltern, ihrer kleinen Schwester Lisbeth und Alva auf dem Gut Birkenlund in einer schwedischen Kleinstadt. Sie möchte meistens wirklich gute Manieren haben und sich richtig Benehmen. Doch das ist gar nicht immer so einfach, wenn man so viele tolle Ideen hat, wie Madita.

Es gibt so viel Spannendes in der Welt zu erleben, zu probieren und zu erforschen. Madita ist sieben Jahre alt, furchtlos und landet oft in Schwierigkeiten, die sie jedoch immer auf pfiffige Weise löst. Sie klettert auf Bäume, fliegt Flugzeug und springt von Dächern. Aber vor allem ist sie eine sehr empfindsame und mitfühlende Person. Sie beobachtet die Welt von ihrem privilegierten Aussichtspunkt aus und sieht alles Leid und alle Ungerechtigkeiten. Sie besitzt unendliche Kapazitäten an Empathie und Fürsorge. So praktiziert sie das, worüber ihr Vater, der radikale Zeitungsredakteur, in der Zeitung schreibt - Solidarität mit Menschen, denen es gerade nicht so gut geht, die ungerecht behandelt werden oder in einer Notlage sind. Madita lebt in einer Gesellschaft, in der sich vieles verändert und sich noch mehr verändern muss.

Der Leser wird hineingezogen in einen geschichtlichen Konjunktiv dieser Erzählung, betrachtet durch die Augen einer Siebenjährigen. „Du bist verdreht, Madita, du bist bestimmt verdreht.” Lisbeth die kleine Schwester sagt das voller Bewunderung und wäre auch gern so ein bisschen verdreht wie Madita.  Auch in diesem Buch gelingt es Astrid Lindgren die Geschichten so zu erzählen, dass wir mittendrin sind, in der gemütlichen Küche, wenn Alva und die Mutter das Essen zubereiten und die Plätzchen backen, wenn Madita vom Dach springt, weil sie gerne Fliegen lernen möchte, Lisbeth sich eine Erbse in die Nase steckt und wenn Alva mit dem Schornsteinfeger auf dem Herbstball tanzt inmitten der „feinen“ Gesellschaft. Eine Kinderwelt, die auf den ersten Blick nicht mehr viel mit unserer digitalen Zeit gemeinsam hat und gleichzeitig so wundervoll beschreibt, was eine schöne Kinderzeit braucht.